Zum Tag der Einheit
Alternativvorschlag für die Nationalhymne
In der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Sinn und Form“ erschien 1950 ein Gedicht von Bertolt Brecht mit dem Titel „Anmut sparet nicht noch Mühe“, bald bekannt als "Kinderhymne". Brecht reagierte damit auf die Wiedereinführung des „Deutschen Liedes“ von Fallersleben als Nationalhymne der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland. Verständlich, denn der offen nationalistische Charakter des „Deutschen Liedes“ das auch unter den Nationalsozialisten Hymne war, erschien Brecht als wenig geeignet einen neuen demokratischen und humanistischen deutschen Staat zu repräsentieren.
Brecht sah dieses Deutschland in der gerade gegründeten Deutschen Demokratischen Republik. Doch auch die Führung der DDR wollte seine Hymne nicht, sondern wählte die von Johannes R. Becher. Vielleicht war Brechts Hymne für beide Deutschlands zu früh, zu humanistisch, zu weltoffen, zu pazifistisch. Grund genug, wieder darüber nachzudenken, ob das vereinigte Deutschland nicht eine andere Hymne verdient hätte…Darum hier ein kleiner Denkanstoß:
1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebsten mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

