Vom "freien" Spiel des Marktes
Schienenkartell zockt RSAG bei Schienen- und Weichenbeschaffung ab
Zwischen 1998 und 2006 wurde das Netz der Rostocker Straßenbahn AG erheblich erweitert. Mit etwa 86 Kilometern zusätzlich ist es um etwa ein Drittel gewachsen. Hinzugekommen sind zum Beispiel die Strecken nach Lichtenhagen und in die Südstadt. Auch die Verbindung zwischen Doberaner Platz und Hauptbahnhof über den Vögenteich wurde neu gebaut.
Die dafür nötigen Schienen lieferten deutsche und österreichische Stahlunternehmen, die sich offensichtlich zu einem Kartell zusammengeschlossen hatten. Dreißig Jahre lang verkaufte dieses Kartell unter der Federführung von Thyssen-Krupp seine völlig überteuerten Produkte an über 100 kommunale Verkehrsbetriebe in ganz Deutschland. Der RSAG und der Stadt Rostock dürfte damit ein erheblicher Schaden entstanden sein, den vor allem Rostocks BürgerInnen bezahlten und bezahlen.
Entstanden ist ebenfalls ein öffentliches Lehrstück über die „Selbstregulation“ des freien Marktes. Auch hier wurde der klare Beweis erbracht, dass es ohne staatliche Kontrolle nicht geht und dass es Gründe für die Existenz des Bundeskartellamtes gibt.
Dieses ermittelt schon seit knapp zwei Jahren gegen das Schienen-Kartell und will in Kürze Ergebnisse vorlegen, die die geschädigten Unternehmen und Kommunen zu Schadenersatzforderungen berechtigen sollen. Es ist zu hoffen, dass das Bundeskartellamt auf diesem Gebiet erfolgreicher ist, als bei den verzweifelten Versuchen, den Mineralölkonzernen Preisabsprachen nachzuweisen…
