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Ursachenforschung

auszubildende; paul-georg meister/pixelio.de

Die Tendenz ist nicht neu, die Zahlen sind bekannt. Über den Zustand des Bildungssystems im Nordosten gibt es nicht viel Gutes zu berichten. Nun schlagen auch Industrie- und Handelskammern, Firmen und Arbeitsagenturen Alarm. Der Grund: viele SchulabgängerInnen hätten nicht das nötige Wissen und fehlende Sozialkompetenz, um erfolgreich eine Ausbildung abzuschließen. Hinzu kommt, dass die Quote derjenigen, die erst gar keinen Schulabschluss vorweisen können, nirgendwo in Deutschland so hoch ist wie in Mecklenburg-Vorpommern. 13,2 Prozent beträgt die Schulabbrecherquote hierzulande – ein trauriger Rekord. Eine Entwicklung, die ihren Anfang in strukturellen Problemen hat, namentlich in der Zahl der hohen Ausfallstunden und des permanenten Lehrermangels. Allein im Schuljahr 2010/2011 fiel in MV jede zehnte Schulstunde an allgemeinbildenden Schulen aus. Bildungsminister Brodkorb findet eine Ausfallquote von 6 Prozent an Grundschulen vertretbar. Eine aufschlussreiche Einstellung, findet der Bundestagsabgeordnete Steffen Bockhahn: „Sich von vornherein damit zufriedenzugeben, dass an unseren Schulen Ausfallstunden die Regel und nicht die Ausnahme sind, ist völlig inakzeptabel. Das gilt gerade in der Grundschule, wo das Fundament einer guten und umfassenden Bildung gelegt wird. 100 Prozent Erfüllung sind das Maß der Dinge, nicht 6 Prozent Mangel.“ Da sich diese Tendenz in den folgenden Schuljahren fortsetzt, sind Wissenslücken nicht zu vermeiden. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Unternehmen im Land zwar rund 6.000 Lehrstellen zu vergeben hätten, aber nur 2.000 neue Ausbildungsverträge abschließen werden.

Ein anderer Grund dürfte die Art der Lehrstellen sein. Das Gros der Ausbildungen in MV wird im touristischen und gastronomischen Sektor sowie in der Dienstleistungsbranche angeboten. Oft sind diese Berufe nicht nur in der Ausbildung schlecht entlohnt. Auch die Bezahlung im festangestellten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis ist nicht selten so gering, dass die täglichen Ausgaben davon kaum bewältigt werden können. Dieser Zustand verschärft sich in Zeiten explodierender Mieten und Energiepreise rasant. Das junge Menschen keine Ausbildung in einem Beruf anfangen wollen, indem sie perspektivisch als sogenannte „AufstockerInnen“ bei den Arbeitsagenturen enden, weil ihr Gehalt knapp über dem aktuellen Hartz-IV Satz liegt, ist verständlich.

Es stellt sich also die Frage, welche Motivation SchülerInnen in MV antreiben soll, einen guten Schulabschluss zu machen, wenn danach eine schlecht entlohnte Ausbildung und keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt stehen. Anstatt Mangel zu verwalten, müsste dazu auch aus dem Bildungsministerium aber endlich mal ein positiver Impuls kommen.

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