Prävention statt Panikmache
Das Massaker in einer Grundschule in Newtown, USA, bringt auch in Deutschland die Debatte um Sicherheit im öffentlichen Raum wieder in Gang. Innenminister Lorenz Caffier forderte etwa Schulhöfe abzuriegeln, um Amokläufe zu verhindern. Bundesinnenminister Friedrich reagiert auf den versuchten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof mit der Forderung nach mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen. Doch werden solche Forderungen den Problemen nicht gerecht. Den Überwachungsstaat weiter auszubauen, sorgt nicht für mehr Sicherheit. Kameraüberwachung ersetzt kein ausgebildetes Sicherheitspersonal, wie etliche Übergriffe in videoüberwachten S- und U-Bahnhöfen schon gezeigt haben. Ein Amokläufer wird sich auch von einem abgeschlossenen Schulhoftor nicht abhalten lassen. Selbst das zentrale nationale Waffenregister von Bundesinnenminister Friedrich, dass ab Januar 2013 speichert wer Besitzer einer Waffe ist und wo er sie gekauft hat, wird nicht verhindern, dass jemand diese Waffen zum Morden benutzt. Doch reicht es nicht aus, eine Gesellschaft nur durch Verbote zu regulieren. Tragödien wie das Massaker in Newtown, aber auch die Amokläufe in Erfurt und Winnenden können nur durch wirksame Prävention verhindert werden. Dazu gehört auf der einen Seite strikte Kontrolle und das Verbot freiverkäuflicher Waffen. Allein schon um potenzielle Opferzahlen zu minimieren. Auf der anderen Seite müssen Warnsignale frühzeitig identifiziert werden. Dazu müssen die Lehrer, Mitschüler und Vertrauenspersonen unserer Kinder in die Lage versetzt werden, solche Warnsignale oder Auffälligkeiten zu erkennen und sich ihrer anzunehmen. Trotz aller politischen Versprechen nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden fehlen aber nach wie vor Schulpsychologen und Sozialarbeiter, die Probleme in der Entwicklung junger Menschen frühzeitig erkennen könnten. In jede Schule in Deutschland gehören mindestens ein Sozialarbeiter und ein Psychologe, Lehrer und Schüler müssten regelmäßig für Notfälle geschult werden und besonders wichtig ist auch immer wieder das Gespräch über Gewalt und Terror. Es muss ja nicht erst zum Amoklauf kommen, auch rechtes Gedankengut, Mobbing und Übergriffe unter Mitschülern, sind Formen von Gewalt denen wir sofort begegnen müssen. Bund und Länder müssen verstärkt in die Ausbildung aber auch in die Arbeitssituation der Lehrer und des Personals an Schulen investieren. Es hilft nichts, die Schulhöfe abzuriegeln aber die Kinder sich selbst zu überlassen. Die Schulen müssen personell und finanziell besser ausgestattet werden. Nur mehr Verantwortung im Umgang miteinander schafft mehr Sicherheit.
