Weltfrieden
Kolumne des Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn. Heute geht’s um den Weltfriedenstag.
Kolumne des Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn. Heute geht’s um den Weltfriedenstag.
Heute Morgen habe ich meinen 21 Jahre alten Praktikanten in meinem Rostocker Wahlkreisbüro gefragt, was ihm spontan einfällt, wenn er an den Weltfriedenstag denkt.
„Wenn ich ehrlich bin, lässt es bei mir ein großes Fragezeichen im Kopf entstehen.“, antwortete er. Anschließend haben wir uns weiter darüber unterhalten. Dabei sind folgende Fragen aufgetaucht:
Wem bedeutet der Weltfriedenstag etwas und warum? Welchen Raum hat dieses Thema in der Öffentlichkeit? Finden Demonstrationen statt? Und warum nutzen jedes Jahr Faschisten und Neonazis diesen Zeitraum um den 1. September für „Trauermärsche“ und Demonstrationen zur Proklamation ihrer Parolen?
Der Weltfriedenstag hat schon seit den 1950er Jahren in der Deutschen Demokratischen Republik jedes Schuljahr am ersten September eingeläutet. Auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wurde einige Jahre später auch ein Gedenktag in Deutschland etabliert – der Antikriegstag. Ein Tag des offenen Bekenntnisses für Frieden und gegen Krieg.
Was aber ist in der langen Historie aus diesem Gedenktag geworden? Es scheint als fände der Weltfriedenstag nur eine verschwindend geringe Aufmerksamkeit. Junge Menschen ab einem gewissen Alter haben diesen Tag ebenfalls nicht kennengelernt, weil die Verantwortlichen für die Gesellschaft, in der die jungen Menschen leben, es offenbar nicht für wichtig halten, Interesse für den Weltfriedenstag zu wecken.
Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich der Bedeutung und Wichtigkeit des Gedenktages bewusst sind und das freut mich. So werden heute in ganz Deutschland Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden, zu denen Gewerkschaften, Friedensgruppen und DIE LINKE aufrufen. Leider gibt es genügend Gründe, auf die Straße zu gehen. Denn auch heute, am ersten September 2010, stehen viele deutsche Soldaten außerhalb der Bundesrepublik an Fronten und führen Krieg. Das Anliegen des Weltfriedenstages ist aber ein globales. Neben Soldaten der Bundeswehr sind Millionen anderer Soldaten verschiedener Armeen sowie Söldnergruppen und Milizen auf der ganzen Welt im Kriegseinsatz. Sie morden, zerstören Existenzen und verwüsten ganze Landstriche. Dazu gehören ebenfalls Kindersoldaten, die zu hunderttausenden gezwungen werden, auch Gleichaltrige abzuschlachten.
Im Jahr 2010 scheint die Gesellschaft nach wie vor weit davon entfernt zu sein, zu verstehen, dass Frieden weit mehr ist, als die Abwesenheit von Krieg.
