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15. August 201415:52

Probleme sind nur, was wir dafür halten

Schwierigkeiten einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, gibt es wahrscheinlich auf der ganzen Welt, aber auf keinen Fall in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kassenärztliche Vereinigung hat eine Umfrage unter niedergelassenen Ärzten im Land durchgeführt. Welche Fragen genau gestellt wurden, ist nicht öffentlich bekannt. Das Ergebnis dieser Befragung ist es und es überrascht. Wenn es überhaupt Schwierigkeiten geben sollte, dann liegt es daran, dass fünf bis zehn Prozent der Patienten nicht zu ihren vereinbarten Terminen erscheinen und so könnte es vielleicht manchmal zu Wartezeiten kommen.

Wer nach Auffassung des Hausarztes dringend behandelt werden muss, könne sich binnen eines Tages einem niedergelassenen Facharzt vorstellen. Das sei sicher, so erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern und sie legt nach: alle anderen würden binnen vier Wochen einen Termin erhalten. Vielleicht liegt genau hier das Problem, das Missverständnis. Man bekommt innerhalb von vier Wochen einen Termin, die Frage ist nur, ob dieser Termin noch innerhalb des selben Kalenderjahres liegt.

Zurück zur Sachebene. Woher kommt diese massive Weigerung, das Problem der Unterversorgung mit Fachärzten einzugestehen? Ich erinnere mich an viele Artikel, in denen auch die Ärzteschaft immer wieder über den Mangel an Nachwuchs in kleinen Städten und dem ländlichen Raum klagte. Jetzt gibt es aber kein Problem mit der Versorgung?

Der Grund wird wohl ein anderer sein. Die Bundesregierung will an das Problem heran, dass die Wartezeiten für Kassenpatienten auf einen Termin bei Fachärzten zu lang sind. Ob die Mittel und Wege, die Gesundheitsminister Gröhe da vorschlägt, geeignet sind, sei dahin gestellt. Vielleicht stimmt es, dass die A- und B-Überweisungen, die es in Mecklenburg-Vorpommern gibt, ein geeignetes Mittel sind. Aber diese Umfrageergebnisse und die Schlussfolgerungen dürften mit den wenigsten Erfahrungen der Menschen in diesem Land übereinstimmen. Lasst uns über sinnvolle Wege reden. Aber bitte ohne den jeweils anderen für dumm zu halten.

Für ein Familienmitglied brauchten wir gerade einen Facharzttermin. Den haben wir in der vergangenen Woche ohne Probleme bekommen. Für Januar 2015.

Kommentar(e)

Peter-Laurent Gellings
17. September 201513:20
Maschinenbaukonstrukteur

Sehr geehrter Herr Bockhahn.

 

In Ihrer Adresszeile steht lediglich Autorin, Autorin/Autor wäre vielleicht angebrachte.

Ich bin aber ein Mann, darf ich Ihnen trotzdem einen Kommentar zu dem Thema,"Arzt gesucht" abgeben?

 

Beste Grüße Peter L. Gellings

Mein Kommentar

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Im Oktober 2001 beschloss der Bundestag mit den Stimmen der Abgeordneten der CDU, FDP, SPD und der Grünen die Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan. Dagegen stimmte nur DIE LINKE. Seitdem sind 53 Bundeswehrsoldaten gefallen, über 160 wurden verwundet und stellenweise verstümmelt, ca. 1800 leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Wie viele Afghanen dem Krieg bisher zum Opfer gefallen sind, weiß wohl niemand so genau.

Für Verteidigungsminster de Maiziere ist die Zeit nun reif für einen Veteranengedenktag, an dem vor allem die Bundeswehrsoldaten geehrt werden sollen, die im Auslandseinsatz waren. Am besten in Anlehnung an den Volkstrauertag. Warum ihm diese Idee ausgerechnet zum zehnjährigen Jubileum der Bundeswehr bezüglich der Beteiligung an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg kommt, läßt er offen. Stattdessen verweist er auf die Verdienste der Soldaten und auf militärische Erinnerungskultur in anderen Ländern, vorzugsweise den USA.

Die Argumentation dabei ist reichlich krude: Kommt die Bundeswehr aus einem Auslandeinsatz zu rück und hat Tote und Verletzte vorzuweisen, kann man über einen Gedenktag nachsinnen. Humanitäre Einsätze wie der in Kambodscha 1992 oder die Hilfe beim Elbehochwasser 2002 scheinen dafür nicht zu reichen.

Was also soll dass werden? Ein Tag, der in bester deutscher Tradition eine militaristische Erinnerungskultur erzeugen soll?

Es ist zu bezweifeln, ob die Mehrheit der Deutschen das begrüßen würde. Von den Angehörigen der verwundeten und verletzten Soldaten ganz zu schweigen. Den Familien der mit PTBS ( posttraumatische Belastungsstörung) Heimgekehrten wäre eine Anerkennung von PTBS durch die Bundeswehr, und eine daraus resultierende, vernünftige medizinische Versorgung sicherlich lieber, als ein pathetischer „Gedenktag“

Doch wenn es ums Praktische geht, kann der Dienstweg auch schon mal länger werden. 18 Monate braucht es im Schnitt, um PTBS zu erkennen und die Behandlung anzuordnen. Eine Zeit, in der viele Betroffene und ihre Familien mit der Krankheit und ihren Folgen allein gelassen werden.

Das ist beschämend und eines Staates unwürdig, der nach außen keine Gelegenheit versäumt, seine Soldaten und ihren Einsatz am Hindukusch hochleben zu lassen.

Es bleibt der Eindruck, das es hier vor allem um die Installierung eines Gedenktages geht, der das Militaristische wieder zum Alltäglichen und die Beteiligung an Kriegseinsätzen zum Normalzustand erhebt.

Belassen wir es doch lieber beim Volkstrauertag. Der gedenkt nämlich aller Kriegsopfer – Zivilisten wie Soldaten.

15. Februar 2012

Zum Schnäppchenpreis

Die Familienministerin Kristina Schröder hält mich auf Trab. Die letzten Tage zum Beispiel hat sie mir mit immer neuen Meldungen zum Betreuungsgeld interessante Denksportaufgaben gestellt.Beschlossene Sache ist, dass Eltern, die für ihre Kinder keinen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen wollen, sollen von 2013 an 100 Euro monatlich erhalten. Von 2014 an sollen 150 Euro für ein Kind im Krippenalter fließen. Kosten: rund 2,2 Milliarden Euro. Über Sinn oder Unsinn des geplanten Betreuungsgeldes wurde schon viel gestritten. Ob bei Nichtinanspruchnahme eines Krippenplatzes die frühkindliche Bildung auf der Strecke bleibt oder ob Familien mit Migrationshintergrund bei der Erziehung zu Hause es ihren Kindern erschweren, Deutsch zu lernen. Gestritten wird auch darüber, wer die  staatlichen Leistung bekommen soll - ob beispielsweise Hartz-IV-Empfänger ausgeklammert werden. Man will weder diejenigen belohnen, die ihre Kinder nicht in Kindertagestätten geben, noch diejenigen fördern, die genau das tun. Hinzu kommen beinahe täglich ein neue Ideen aus den Reihen der Regierungsparteien, an welche Bedingungen die Inanspruchnahme des Geldes geknüpft ist und auch die Nichtinanspruchnahme. Aber all das gibt's natürlich nicht umsonst und obendrauf. Durch weitere massive Kürzungen beim Elterngeld könnte nämlich das Betreuungsgeld finanziert werden. Und wer sich trotz all dieser Anreize doch gegen das Kinderkriegen entscheidet, soll dafür zur Kasse gebeten werden.  Eine Gruppe CDU/CSU Abgeordneter schlug beispielsweise vor,  Kinderlose über 25 Jährige sollen ab 2013 mit einer Abgabe für eine "solidarische Demografie-Rücklage" zu belasten.


Verwirrt? Ich übersetze:
Für 150 Euro im Monat entscheiden sich Eltern gegen eine berufliche Perspektive für beide Eltern. Und auch gegen eine Rückkehr in die straffen Bachelor- und Masterstudiengänge, denn wer sich mit Anfang oder Mitte Zwanzig für Kinder entscheidet, steckt meistens noch im Studium oder der Ausbildung. Wie die Arbeitsmarktlage aussieht für jemanden der zwei drei Jahre aus dem Beruf raus ist  oder nach der Ausbildung nicht erst mal viele Jahre an der Karriere gefeilt hat, braucht man nicht mehr zu erklären. Und auch im 21. Jahrhundert wird dies hauptsächlich Frauen treffen und ganz besonders hart die Alleinerziehenden. Für 150 Euro im Monat gibt man die Möglichkeit auf, das Kind von Anfang an pädagogisch zu begleiten und gemeinsam mit anderen Kindern aufzuwachsen lassen. Und nein, es ist für viele keine Wahlfreiheit. Die Frage ist immer noch, ob überhaupt ein Kitaplatz zur Verfügung stehen würde. 150 Euro im Monat spendiert die Regierung auch all denjenigen, die sich trotz ausreichendem Einkommen für eine Betreuung zu Hause entscheiden zum Beispiel durch Au-Pair-Mädchen oder Kinderfrauen. 150 Euro monatliches Taschengeld dafür, dass zumeist Mütter sich vollkommen abhängig machen von ihrem verdienenden Partner. Um die  150 Euro pro Kind zu finanzieren, wird vielleicht jungen Familien auch noch das Elterngeld im ersten Jahr mit Kind gekürzt. Diejenigen, die sich mit Mitte Zwanzig noch gegen die Familienplanung entscheiden, sollen  das von ihren ersten Gehältern gleich mitfinanzieren. Das ist eine sichere Einnahmequelle in einem Land, in dem die Mütter durchschnittlich 30,3 Jahre alt sind, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. 

Immer noch verwirrt? Ich fasse zusammen: Durch das Betreuungsgeld spart sich die Bundesregierung den teuren Ausbau von Kita-Plätzen, den teuren Ausbau des Elterngeldes, verlagert die Ausbildung und Betreuung von Kindern zurück an Herd und Heim und drängt insbesondere Frauen in ein konservatives und völlig überholtes Rollenmuster zurück.  Und das alles für den Schnäppchenpreis von nur 150 Euro im Monat.

Die Autorin: Katja Rom, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Büro

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