Mach's nochmal, Kristina!

Ich komme heute nicht an ihr vorbei. Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin, hat ein Buch (hoffentlich selbst) geschrieben und veröffentlicht. "Danke, emanzipiert sind wir selber!" heißt es und vermutlich werde ich es nicht lesen. Schön wäre es, wenn ich genau so auch die endlose Debatte um das Betreuungsgeld oder die Quotenfrage ignorieren könnte. Aber so einfach macht sie es mir mit diesen Themen nicht. Stattdessen sorgt sie mit Ihren Äußerungen dafür, dass wir uns damit beschäftigen müssen, ein überholtes Frauenbild wegzudiskutieren anstatt uns mit sinnvollen gesellschaftlichen Lebensmodellen zu beschäftigen.
Frau Schröders Emanzipation scheint hauptsächlich daraus zu bestehen, Dinge wegzudiskutieren. All ihre Themen als Familienministerin und auch die Zuständigkeiten ihres Ministeriums reichen zwar aus um ein paar Pressemitteilungen zu produzieren, verantwortlich für den Umgang damit ist aber jeder selber. Zum Beispiel die Pflege: Ja, sagt Frau Schröder, wir brauchen Zeit für die Pflege der Angehörigen, aber sich um selbige kümmern soll doch bitte jeder in seinen eigenen vier Wänden. Ein Zeitfenster von zwei Jahren hat jeder Angehörige hierfür. Für die Zeit danach ist dann wohl jemand anders zuständig. Das unbezahlbare Pflegeheim vielleicht? Die Quote: Ja, Frauen können auch in den Chefetagen mitarbeiten, aber wie viele und in welcher Form, dass soll jedes Unternehmen selbst entscheiden. Jährlich immer wieder neu oder wie hat sie sich das gedacht? Das Kinderbetreuungsproblem löst sie ganz ähnlich: ja, Kinder müssen betreut werden, möglichst aber am heimischen Herd. Das ist billiger und die Kitas sind nicht mehr so voll. Wer als Frau und Mutter soviel Unterstützung von ihrer zuständigen Ministerin erhält, braucht keine weiteren Feinde.
Na gut, immerhin wird bei diesen Themen erst gestritten, bevor sie (hoffentlich nicht) umgesetzt werden. Anders sieht es bei Frau Schröders Hobby, dem Linksextremismus aus. Als gefühlte erste Amtshandlung hat sie Kampagnen, Studien und Zentren gegen Linksextremismus aus dem Boden gestampft. Ruckzuck ging das, Konzept und Inhalt waren erst mal nicht so wichtig, diese linke Bedrohung der Gesellschaft lag schließlich auf der Hand. Schon wegen der brennenden Kinderwagen in den Hauseingängen. Beim Rechtsextremismus hingegen und der Unterstützung all derer die sich in Initiativen und Projekten gegen den braunen Sumpf stellen, findet Frau Schröder es deutlich schwieriger sowohl Gelder als auch einen Umgang mit dem Thema zu finden. Ein konzeptloses Informationszentrum ist bisher alles, was ihr dazu einfällt.
Es scheint alles in allem so, dass sich Kristina Schröder schwer tut, mit Themen und Aufgaben, die ihr als Ministerin angetragen werden. Um so energievoller widmet sie sich weiterhin ihren selbst gewählten Problemfeldern: der Bekämpfung des Feminismus und des Linksextremismus, des feministischen Extremismus, des extremen Linksfeminismus oder des linken Extremfeminismus…jetzt bin ich ganz durcheinander. Und wünsche mir eigentlich, dass Frau Schröder dazu übergeht sämtliche gesellschaftliche Probleme in ihrer Amtszeit nur noch zwischen zwei Buchdeckeln zu diskutieren. Die kann ich nämlich weiterhin gut ignorieren.
Geblogt hat heut katja aus dem Berliner Büro
Kommentar(e)
Die Ministerin - Heimchen im Kostüm
"Wer als Frau und Mutter soviel Unterstützung von ihrer zuständigen Ministerin erhält, braucht keine weiteren Feinde. " Das kann man aus meiner Sicht unumwunden als Fazit zu "Krissy Schröder" ;-) stehen lassen! Und auch sonst spricht mir der Beitrag aus der Seele! Danke und mehr davon... :-)
