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7. März 201210:00

Das ist Wahnsinn! - DAS IST VEGGIE-WORLD!!


Letztes Wochenende ging in Wiesbaden die Ernährungsmesse VeggieWorld zu Ende. Im Wesentlichen ging es um Fair Trade und Bio in Lebensmitteln und Kleidung, Kosmetik ohne Tierversuche, Kochshows, Verkostungen und diverse Vorträge - soweit so unspektakulär.

Der interessante Teil beginnt für mich mit einem Artikel namens "Der Verzehr von Joghurt kann tödlich sein", der vor wenigen Tagen auf FAZ.net veröffentlicht wurde. Natürlich bin ich sofort stutzig geworden, was mir dieser Artikel sagen möchte und so kam ich ins Lesen: Ein Produkt namens Kunstfleisch wurde offenbar auf der oben erwähnten Messe zu einem Hoffnungsträger stilisiert. Dieser Hoffnungsschimmer erinnert mich sehr an den Plastikbrei aus dem Film "Brust oder Keule" mit dem großartigen Louis de Funès. So ziemlich alles ist aus dem Zeug zu bekommen: Bratwurst, Gulasch, Steaks.. Man muss es nur eine viertel Stunde in Salzwasser kochen und dann auspressen wie einen Schwamm. Nebenbei ist das Wundermittel noch monatelang ohne Kühlung haltbar. Spätestens jetzt erinnert mich dieses Zeug an ein Zitat von meinem Chemielehrer aus der 11. Klasse, der da mal in seinem wundervollen sächsischen Dialekt sagte: "Wenn sich Brot wochenlang frisch hält, ohne zu schimmeln, dann sollte man sich gleich
von den Konservierungsstoffen allein ernähren."

Natürlich habe ich sofort mein Google-Fu auf das Thema Kunstfleich angewandt. Ich fand zwar nichts zu diesen essbaren Kochschwämmen, aber immerhin zu einem weiteren verstörenden Thema. Aus Stammzellen künstlich erzeugtes Muskelfleisch aus dem Bioreaktor, dessen Erforschung gerade erste Durchbrüche in den Niederlanden feiern konnte. Im Moment kostet ein würfelgroßer Brocken dieses völlig ohne Sehnen, Fett und Knochen produzierten Muskelfleischs etwa so viel wie ein neuwertiger Luxus-PKW in der Größe eines Audi A8. Der ist immerhin schon für knappe 60.000 € zu haben. Ein Fleischbrocken um einen durchschnittlichen Hamburger zu belegen, würde damit bei knapp einer viertel Million Euro kosten..

Nebenbei macht der Artikel seinen Rundumschlag zum Thema Soja (aus dem man ja zum Beispiel Tofu herstellen kann), das auf dieser Messe zumindest an einem Stand gentechnikfrei und aus Europa zu kaufen war. Sonst wird es weltweit zu drei Vierteln genverändert aus Nord- und Südamerika, sowie Asien bezogen. Das man schön jeden Tag in Brasilien fussballfeldgroße Stücke Regenwald plättet, um das Zeug anzubauen, verschweigt der Artikel vermutlich aus Versehen, aber ich zögere natürlich nicht dieses Detail nachzureichen. Sehr erhellend und verstörend zu dem Thema ist auch die Dokumentation Food, Inc. aus dem Jahr 2008.

Ich habe hier nicht sie Absicht die völlig kranken und verfehlten Taten der Fleischindustrie zu rechtfertigen, aber auf solch bizarre Stilblüten aus dem anderen Lager hinzuweisen muss einfach mal sein...


Gebloggt hat heute Sebastian aus dem Büro in Rostock

Kommentar(e)

Ulrike
13. April 201211:32
warum Tofu?

Ich finde es auch sehr merkwürdig das die meist "sehr umweltbewussten und moralisch korrekten" Veganer (ist ja zum Glück nicht jeder Veganer so) gern auf Tofu zurückgreifen, obwohl die Soja-statt-Regenwald-Sache gar nicht mehr so geheim ist. Was mich sowieso bei "Tofuwürstchen" und co. wundert: Wer (freiwillig) Veganer oder Vegetarier ist, entscheidet sich doch dafür kein Fleisch zu essen, warum braucht so jemand dann unbedingt Fleischersatz? Wer was zum kauen will ist mit Nüssen gut bedient und gut versorgt (z.B.: Cashew-nuss 4g= 0,7g Eiweiß/ Protein; Fleischwurst 25g = 2,8 g Eiweiß/Protein (Quelle: http://www.index-essen.de )).

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