Negerjagd mit Schmiss

Festlich war der Saal geschmückt, die Gästeliste überaus ansehnlich, ein namhafter Redner brachte einen Toast aus auf dass „...die Flamme der Burschenschaft in unserem wunderschönen Saarland ewig brennen möge… “ und am Ende erklang das völkische Heimatlied „Deutsch ist die Saar“.
Soweit ist das noch kein großer Aufreger – wenn wir uns im Jahr 1935 befinden würden, die Saarländer gerade eben für die Angliederung an das Dritte Reich gestimmt hätten, und die Anwesenden stramm Deutschnationale mit Schmissen im Gesicht wären.
Sind sie aber nicht. Wir befinden uns vielmehr im Jahr 2010 auf dem Jubiläum der „Ghibellinia“, einer Burschenschaft, die im Saarland sehr aktiv ist und enge Verbindungen zur Landespolitik pflegt. So kann es auch nicht verwundern, dass der Redner Vize-Landeschef der FDP ist, und der Generalsekretär der Saar-CDU den Burschen für „…ihr Engagement zur Wahrung gesellschaftlicher, demokratischer und freiheitlicher Werte“ dankte.
Nachdem allerdings hochoffiziell wurde, dass besagte Verbindung im neuen Semester zur „Negerjagd nach Namibia“ einlädt und „wöchentlich zwei Pogrome“ im Stundenplan für witzig hält, war es vorbei mit dem Dank und den engen Verbindungen.
Man hätte besser recherchieren müssen, mit wem man es zu tun habe, lautete die einhellige Meinung im Nachgang. Ich meine: Man hätte spätestens bei der Musikauswahl des oben erwähnten Events misstrauisch werden müssen.
Fakt ist, dass der Umgang mit Burschenschaften, die politisch weit rechts stehen (und das sind die meisten) für Christdemokraten und Liberale noch nie ein Problem war, und auch in Zukunft nicht sein wird. Insofern sind die Kommentare zu den Ereignissen im Saarland, was political correctness angeht, schlicht unglaubwürdig.
Dies ist nur eine von vielen Episoden in der Geschichte der Bundesrepublik, die Eines zeigt: Die jüngst aufgekommene Formulierung vom Rechtsextremismus, der in der Mitte der Gesellschaft angelangt ist, ist falsch. Die Mitte ist der Geburtsort des Rechtsextremismus. Ihn als Problem mangelnder Perspektive und Bildung im Osten der Bundesrepublik anzusiedeln, war schon immer Augenwischerei.
In den Jahren 1931 - 33 waren die Hauptunterstützer Hitlers das Kleinbürgertum, der Mittelstand und die Intelligenz. Rechtsradikale Studentenbünde sorgten schon Ende der zwanziger Jahre an deutschen Universitäten für Angst und Schrecken und festigten in den kommenden Jahren ihren Einfluss.
Auch in der Bundesrepublik konnten sie ungestört ihrem größtenteils reaktionären und rechtsradikalen „Brauchtum“ nachgehen. Einzig die Umwälzungen, die durch 68 entstanden, haben die gutbürgerliche Fassade der Burschenschaften ankratzen können.
Der Generalsekretär der Saar-CDU spricht nach wie vor von „honorigen Männern“, die sich an der Hochschule „völlig unscheinbar“ verhielten. Man sieht eben nur das, was man sehen will. Oder hält für gefährlich, was man für gefährlich halten will…Warum solch zweifelhafte Vereinigungen wie die „Ghibellinia“ nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden, dürfte aber inzwischen wohl jedem klar sein:
Überarbeitung. Schließlich erfordert die Überwachung von 42 gewählten Abgeordneten einer demokratischen Partei die Anspannung aller Kräfte.
Es wird Zeit zum Schluss zu kommen, sonst werd ich noch zynischer und mach gleich mit den Schützenvereinen weiter. Auch so eine ehrenwerte Stütze der Gesellschaft, die das Banner der Demokratie hochhält…
Gebloggt hat heute "Ronny" aus meinem Rostocker Büro.
Kommentar(e)
Obacht
"... dass besagte Verbindung im neuen Semester zur „Negerjagd nach Namibia“ einlädt und „wöchentlich zwei Pogrome“ im Stundenplan für witzig hält,..." --> Obacht, stimmt nicht.
