Nazis im Weltraum und Crowdfunding

1945, die geheime Forschungsanlage Neuschwabenland in der Arktis. Untertassen starten und brechen zur dunklen Seite des Mondes auf, als die Nazis ihre Sache als verloren ansehen. Doch natürlich lecken sie nur ihre Wunden und planen die spektakuläre Rückkehr für das Jahr 2018! Der legendäre Meteorenblitzkrieg, Raumschiffe die aussehen wie Zeppeline, Udo Kier als Führer und Sarah Palin als Präsidentin im Weißen Haus. Kurz: Iron Sky ist Trashkino vom Feinsten, das bei seiner Premiere auf der Berlinale dieses Jahr mit Lob und Aufmerksamkeit überschüttet wurde.
Bereits seit 2007 wird dieses Filmprojekt von der Internetgemeinschaft unterstützt. Die Internetplattform wreckamovie.com gestattet Jeder und Jedem, Filmprojekte zu eröffnen. Nachdem das Projekt dort begann, konnten sich die User der Website beispielsweise mit Ideen einbringen. Dieses Graswurzelkonzept, einen Film produzieren zu können, fasziniert mich sehr.
Genau 7,5 Mio € hat das Werk aus Finnland gekostet. Überwiegend wurde es aus Vorverkäufen, Steuervorteilen in Australien und den üblichen Stiftungen bezahlt, die kleine Filmproduktionen häufig unterstützen. Auf diese Art kamen knapp 6,3 Mio € zusammen. Die fehlende Million wurde durch die Fans in den letzten fünf Jahren gesammelt. Dafür bekam und bekommt mensch Einblick hinter die Kulissen, Merchandisingkram und unsterblichen Ruhm (oder so ähnlich). Wenn mensch sogar ab 1000 € über hat, können diese auch investiert werden. Crowdfunding, bzw. Crowdinvest nennt man diese Konzepte der Schwarmfinanzierung. Vor allem im Bereich der Musikproduktion kommt diese zunehmend zur Anwendung. Bands können beispielsweise auf sellaband.com ihre Kosten auf Fans, Interessierte und jede und jeden umverteilen, der gewillt ist Geld in die Hand zu nehmen. Dafür können auch Anteile am Gewinn einer Tour erworben werden, aber meistens geht es eher um ideelle Dinge wie signierte CDs, Backstagepässe oder die Erwähnung im Booklet (was wieder auf unsterblichen Ruhm hinaus läuft).
Als Mittel, um Kunstschaffenden die Finanzierung ihrer Ideen zu ermöglichen, finde ich die Idee faszinierend. Die Vorstellung, dass ein Nein von einem Filmstudio oder Plattenlabel nicht das Aus für eine Idee ist, sagt mir noch mehr zu. Wenn Künstler, Fans und Internetnutzer sich solidarisch um die Finanzierung eines Produktes kümmern, wird das Ganze noch interessanter und unterstützenswerter. Die Do-it-Yourself-Logik des Internets hat damit wieder eine großartige Idee hervor gebracht, die der Kunstszene auch offline ein paar Impulse für die Finanzierung erlauben könnte.
Mal nebenbei: In Deutschland hatte das Konzept des Crowdfunding letztes Jahr einen großen Erfolg. Eine Million € sollten von den Fans zusammen geworben werden, um einen Film zur Serie Stromberg (ob mensch die gut findet oder nicht ist hier nicht die Frage) produzieren zu können. Nach gerade einmal einer Woche war das Geld zusammen. Hut ab, kann ich dazu nur sagen.
Ich hoffe, Konzepte wie wreckamovie und sellaband haben Zukunft - auch im "wahren Leben" (TM). Die offline Kulturlandschaft mit dieser Art der solidarischen Finanzierung zu unterstützen, finde ich hochgradig durchdenkenswert. Das entlastet nicht nur die leeren öffentlichen Kassen, sondern fördert auch eine große Vielfalt an kleinen Produktionen, die sonst keine Chance hätten. Auch kleine trashige Filmproduktionen mit kleinen braunen Männlein aus dem All..
Und nochmal ganz nebenbei: Am 5. April kommt endlich Iron Sky in Deutschland ins Kino!
Gebloggt hat heute mein Mitarbeiter Sebastian (Kampfname Baschtel) aus dem Wahlkreisbüro in Rostock
