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24. Mai 201312:34

Was ist ein Bullen-Kind?


Heute fand ich in der Ostsee-Zeitung einen kleinen Vermerk zum Urteil des Bundessozialgerichts: "Hartz-IV-Kindern" steht ein Jugendbett zu, wenn das Kinderbett zu klein wird. Mal abgesehen von dem Thema an sich, aber was bitte sind denn "Hartz-IV-Kinder"?

Sind das diese kleinen Menschen, die auf dem Spielplatz nur mit Scheidungs-Kindern, jedoch nie mit Bonzen-Gören spielen? Oder sind das jene, die genauso am Arsch sind wie Behinderten-Kinder. (Das wären im Sinne obiger Wortlogik dann wohl Kinder von Eltern mit Behinderung?)

Ich habe mich gefragt, ob es auch Insolvenz-Kinder oder Straftäter-Kinder gibt?
Oh mein Gott! Ich bin ein Lehrer-Bullen-Kind!

Sprache ist so wichtig. Als Redakteur/in einer Zeitung sollte man auf Worte achten und deren Vielschichtigkeit bedenken. Stigmatisierung ist ein Problem unserer Gesellschaft und Hartz-IV-Kinder gibt es auch im worteigenen Sinne nicht.
Stellen Sie sich mal vor, dieses dusselige Gesetz könnte auch noch Babys machen! Absurd.

Eva aus dem Wahlkreis wünscht ein schönes Wochenende!

22. Mai 201311:25

„Es ist normal, verschieden zu sein!“

(Richard von Weizsäcker)

Wie geht man als völlig gesunder Mensch mit Menschen um, die eine Behinderung haben, egal ob körperlich oder geistig? Staunen, starren, ignorieren, diskret übersehen, nett lächeln? Von den Idioten, die sich davon hinreisen lassen Menschen mit Handicaps zu diskriminieren ganz zu schweigen.

Die Reaktionen gesunder Menschen auf Menschen mit offensichtlichen Behinderungen sind wohl so vielfältig wie die Behinderungen selbst. Wer nicht gerade im Freundes- oder Familienkreis mit einer Behinderung konfrontiert ist, hat Berührungsängste und weiß oftmals nicht, wie man sich den Betroffenen gegenüber richtig verhalten soll. Gibt es überhaupt eine richtige Verhaltensweise? Darf man überhaupt Behinderung sagen? Oder doch besser Beeinträchtigung? Geht man offensiv mit Behinderungen um oder tut man am besten so als hätte man nichts bemerkt? Ab wann ist eine Behinderung überhaupt eine Behinderung? Und wer definiert eigentlich was normal ist?

Mit dem Benachteiligungsverbot im Grundgesetz, dem Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), diversen Bundes- und Landesgesetzen sowie der UN-Behindertenrechtskonvention gibt es zwar eine Reihe von Gesetzen und Richtlinien, wie eine Inklusion und ein Recht auf gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Handicap zu realisieren ist, bzw. wie diese Rechte innerhalb der Gesellschaft geschützt werden können. Doch an den scheelen Blicken und der täglich erlebten Alltagsdiskriminierung können auch die besten Gesetze nichts ändern. Um die Unsicherheiten und Schranken in den Köpfen der „Normalen“ abzubauen, bedarf es deshalb v.a. einem breiten gesellschaftlichen Diskurs mit den Betroffenen und konkreten Maßnahmen, wie den flächendeckenden Ausbau von Inklusionsschulen. Damit das „Verschieden“ sein auch tatsächlich zur „Normalität“ wird.

Dass diese Normalität bisher nicht in der breiten Gesellschaft angekommen ist, beweist die Debatte um das Züricher Theaterprojekt „Disabled Theater“ beim diesjährigen Berliner Theatertreffen. Auf der Bühne standen da nämlich Schauspieler mit Behinderungen. Und diese machten auch keinen Hehl aus ihren Handicaps, sie benannten sie sogar ganz eindeutig. Für manchen Zuschauer und auch Teile der Medien war dies aber wohl zu viel. Es tauchten Fragen auf, wie: Darf der Regisseur behinderte Menschen auf die Bühne stellen? Und: Werden die Schauspieler nicht vorgeführt?

Als ob Menschen mit einem Handicap keine ernst zu nehmenden Schauspieler sind. Gäbe es mehr solche Projekte wie das „Disabled Theater“, würden sich diese Fragen aber irgendwann vielleicht gar nicht mehr stellen. Weil es eben zur „Normalität“ geworden ist.

Dass Julia Häusermann, eine Schauspielerin des „Disabled Theater“, nun mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, ist daher nur folgerichtig und freut mich besonders, weil es eben kein Inklusions- sondern ein stink normaler Nachwuchsdarstellerpreis ist.

Gebloggt hat heute Claudia aus dem Berliner Büro.

17. Mai 201312:05

SoKo Kinderwagen ist Mist!


Wenn man dieser Tage an einer Kita vorbei geht, dann sieht man vor der Tür eine Armada von kleinen Kinderfahrrädern, Laufrädern und Rollern. Sie stehen da in den schönsten und grellsten Farben. Pink, lila, neongrün – es ist alles dabei. Es sind die Fahrräder, Laufräder und Roller von den Kindern, die dort gerade im Kindergarten oder in der Krippe sind. Und sie sind fast alle angeschlossen. Wie erbärmlich ist das eigentlich? Was sagt das denn über unsere Gesellschaft und das Vertrauen, das wir uns entgegen bringen? Müssen wir wirklich befürchten, dass es widerliche Gestalten gibt, die den Kleinsten ihre Roller klauen? Für wen denn?


Na gut. In Berlin wohne ich im Prenzlauer Berg. Dort hatte die Polizei zeitweise sogar eine SoKo (Sonderkommission) „Kinderwagen“ eingerichtet. In dem vermeintlich hippen Szenebezirk waren so dermaßen viele Kinderwagen geklaut worden (auch aus den Hausfluren), dass die Ermittler eine eigene Einheit zur Aufklärung gebildet haben.


Beim Einzelhändler meines Vertrauens (bisher) wird man neuerdings aufgefordert, seine Tasche am Eingang abzugeben. Die unterstellen also allen Kunden, die mit Tasche reinkommen, dass es potenziell Diebe sind? Wie viel Misstrauen kann es eigentlich in einer Gesellschaft geben?


Vorgestern stand ich morgens beim Bäcker. Ich war da schon öfter und ich glaube, die Verkäuferin kannte mich auch. In meinem Portemonaie war nur ein 50€ Schein, die Verkäuferin konnte nicht herausgeben. Mein Angebot, dass ich in einer knappen Stunde noch einmal käme und dann bezahlen würde, nun aber doch meine Backwaren schon mitnehmen wollte, versetzte sie in leichte Panik. Ob ich denn wirklich wiederkommen würde, denn sonst müsse sie den Verlust aus eigener Tasche bezahlen, fragte sie. Als ich dann eine Stunde später wieder hinging und bezahlte, habe ich sie gebeten ihren Mitmenschen öfter zu vertrauen.


Das wäre doch toll, wenn wir uns wieder mehr vertrauen und einfach nicht mehr so viel Zeit darauf verschwenden müssen, uns zu überlegen, wer uns als nächstes etwas weg nimmt. Das wäre doch mal ein Pfingstwunder 2.0!

15. Mai 201313:54

Europäer verlieren Vertrauen in die EU


Heute früh stieß ich beim Studium der diversen Zeitungen auf einen winzigen Randartikel in der Ostseezeitung. Unter dem oben genannten Titel wurde auf die Studie eines US-Forschungsinstituts namens Pew Research verwiesen. Ihr Inhalt: Binnen des letzten Jahres sei die Zustimmung zur Europäischen Union unter den EU-Bürgern von 60 auf 45 % gesunken.


Dazu möchte ich nur soviel sagen: Kein Wunder!


Die letzten Ansätze der EU-Kommission waren so brillante Vorschläge wie die
EU-weite Registrierung und verschärfte Kontrolle des verwendeten Saatgutes. Monsanto und die anderen Agrar-Konzerne haben da sicher den einen oder anderen Textbaustein zum Entwurf zugearbeitet. So funktioniert Lobby-Arbeit eben. Das Leute wie meine Eltern, die Bio-Gärtner mit einem einzelnen Angestellten sind, und zu 90% regionale und alte Saatgutsorten verwenden, von solchen Verordnungen richtig hart getroffen werden, interessiert Monsanto/die EU-Kommission ja eher weniger. Wer Interesse hat den Entwurf der Verordnung mal zu lesen, findet ihn als Link im Anhang.


Der nächste kluge Wurf davor war die Vorschrift, dass EU-weit Wasser- und Abwasserversorgung in den Gemeinden ausgeschrieben werden muss. Auch das freut Veolia und Suez, die beiden Wasser/ Abwasserkonzerne, die weltweit faktisch den Markt beherrschen.


Davor war eine Verordnung in der Mache, die den Mitgliedsstaaten vorschreiben wollte, dass die Infrastruktur für die Eisenbahn gefälligst ausgeschrieben und damit privatisiert werden muss. Da fallen mir jetzt keine Großkonzerne ein, die davon profitieren, aber da gibt es sicher auch irgendwen. Ich verweise übrigens beim Verkauf von Gleisnetzen mal auf England, wo die Privatisierung zu einem dermaßen großen Verschleiß und Investitionsstau führte, dass sich der Rückkauf durch den britischen Staat als richtiger „Freudenfall“ herausstellte.


Und das sind jetzt nur die Dinge, die mir aufgefallen sind und an die ich mich erinnere. Sicher war da noch mehr, dass unbeachtet an uns vorbei gegangen ist. Sicher waren da auch ein paar sinnvolle Dinge dabei. An die kann ich mich natürlich nicht erinnern, aber bei soviel Mist wie da verzapft wird, ist es kein Wunder, wenn die Menschen in der EU immer skeptischer werden und das Vertrauen verlieren. Ich würde mich mit dem Quatsch ja auch nicht auseinander setzen, wenn die nicht ständig in mein Lebensumfeld hineinpfuschen würden. Ein konstruktiver Abschluss oder ein Aufforderung, wie man den bestehenden Zustand verbessern könnte, fällt mir nicht ein. Außer vielleicht, dass es bei jeder dieser blöden Verordnungen bisher geholfen hat, sich laut und lang genug darüber aufzuregen und die Informationen weiter zu tragen. Das mache ich also hiermit. Und nur so viel am Schluss: Ich traue der EU-Kommission nicht! Weniger Demokratie und Transparenz ist nämlich kaum möglich...


Grüße aus Rostock, ein wütender Baschtl 


ec.europa.eu/dgs/health_consumer/pressroom/docs/proposal_aphp_en.pdf

13. Mai 201311:56

Mir ist müde und ich bin kalt


Heute morgen im Radio stellte sich ein Moderator die Frage, ob der Bundestagswahlkampf in diesem Jahr vielleicht doch noch interessant werden könnte durch die kleinen Parteien. „Die Piraten“ zum Beispiel oder die „Alternative für Deutschland“. Abseits dessen, dass ich es unsäglich finde, eine Partei am rechten Rand wie die AfD als Spannungsmoment für eine Bundestagswahl zu tolerieren, zeigte sich allein durch diesen Kommentar deutlich wie die Wahlen oder vielleicht sogar Politik generell in diesem Land betrachtet werden. Langweilig, alternativlos, irgendwie lahm. Nur wenn es um’s Ausland geht, da erhitzen sich die Gemüter. Da wird engagiert über Israel diskutiert, Afghanistan, Vergewaltigungen in Indien (besonders natürlich die Vergewaltigung von europäischen Touristinnen) und nicht zu vergessen die europäischen „Südländer“.  Sich über Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeit und Hunger aufzuregen, ist an und für sich nicht schlecht. Wir Deutschen neigen nur gerne dazu, es uns in dieser Empörung all zu bequem zu machen.


Hierzulande scheint das Elend nicht groß genug zu sein um sich engagiert dagegen zu empören. Auch hier wären Kinderpatenschaften nötig in Anbetracht der vielen Kinder, die unter der Armutsgrenze leben. Auch hier benötigen alte Menschen Pflege, Hilfe oder einfach nur Gesellschaft. Auch hier brechen immer mehr Biographien und verliert eine ganze Generation ihre Zukunftsperspektive. Da muss man sich stattdessen von klugen Menschen in Gruppen und Randgruppen einordnen lassen, die es mehr oder eben weniger wert sind, sich um sie zu kümmern. Sind wir alle zu müde geworden? Oder zu kalt? Es gäbe auch tausend Möglichkeiten, sich für alte Menschen zu engagieren, für Kinder, oder für Migranten. Aber die sind ja noch weniger niedlich, oder warum tun viele der spendenfreudigen Menschen das nicht? Ist das Elend nebenan vielleicht zu nah an uns selber? Ist es einfacher, sich das Unglück von Menschen irgendwo auf der Welt vorzustellen, als in der Nachbarswohnung? Ist das alles nicht „spannend genug“? Trauen wir das der Politik nicht mehr zu, oder warum kochen eben gerade diese Themen nicht hoch in diesem Wahljahr? Und wenn nicht, was wollen wir dann noch von der Politik? Wer ist dann zuständig für alles was schief geht in dieser Gesellschaft? Oder macht das doch zu viel Arbeit?

Ich denke, mit einem ganz kleinen bisschen Aufwand fände sich auch hier viel zu tun, um das Land und seine Politik zu optimieren. Man könnte zum Beispiel wählen gehen.


Gebloggt hat heute Katja aus dem Berliner Büro

Katja Rom(steffen.bockhahn.ma01@bundestag.de)PermalinkKommentare 0
Tags: bundestagswahl soziales
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